Texte & Graffiti

 "Was Du bekommst hängt davon ab,
 
 was du bereit bist wahrzunehmen".
 
 Nichts ist schwerer hervorzubringen
 
 als Kunst über das Jetzt,  da dieser
 
 chaotische Moment
 immer in Bewegung ist und man sich
 
 nicht von ihm lösen kann: Man geht
 
 mit ihm mit, man formt
 ihn und wird von ihm geformt.
 
 Der Versuch in der Kunst das Jetzt
 
 festzuhalten, ist riskant.
 Auch der Konsumismus hat eine
 
 andere Inkarnation gefunden:
 
 Wir sind nicht mehr nur Konsumenten,
 sondern auch das Konsumierte.
 Der Maßstab zeitgenössischer Kunst ist,
 
 welchen Widerhall sie jetzt findet.
 
 Das Gewebe der eigenen
 Zeit zu durchstoßen, die Art und Weise,
 
 wie Menschen sehen und fühlen,
 
 auch nur für einen Moment
 zu verändern ist schon eine Leistung.
 
 Kunst bombadiert uns mit dem Staub des Lebens.
 Sie zeigt uns die vielen Schichten dieses Staubs,
 unter dem so viele Seelen ersticken.
 Sie macht, daß wir uns schmutzig
 
 und mit schuldig fühlen,
 aber auch verwundert und dankbar sind
 
 - denn ohne Staub
 würden wir den Sonnenstrahl nicht sehen,
 der sich seinen Weg durch die Luft bahnt,
 Sonnenuntergänge wären weniger schön,
 der Himmel erstrahlte in einem anderen Blau.
 Partikel dieses Staubs dringen tief in uns ein.
 Sie liegen in Herz und Verstand und kribbeln,
 
 prickeln, beunruhigen.
 Sie sind eine notwendige Mahnung:
 Es bedarf keiner Fackel, um die Wahrheit zu erhellen,
 es muß nicht brennen, damit wir handeln.
 
 Das innere Leben der Formen und Bilder
 
 ist jedem analysierbaren
 Begriff von Intentionalität fremd.
 
 Teilweise kontrolliert der Künstler
 dieses Leben, aber es treiben eher Ohnmacht
 
 und Schwäche als
 Intention den Künstler an,
 
 der erst weiß, was er tun will, wenn er
 dabei ist, es zu tun.
 "We do not know where you are going to end.
 It´s a journey without a aim."
 
 Wir können nicht ändern, was sein wird,
 
 ohne zu beschreiben, was ist. Mit anderen Worten:
 Wir erbauen die Zukunft,
 
 indem wir uns unsere Gegenwart vergegenwärtigen.
 "PRIYA BASIL" 



"Das Einzige, was sich lohnt aufzurichten, ist die mensch-
liche Seele. Ich meine jetzt "Seele" im umfassenden Sinn.
Ich meine nicht nur das Gefühlsmäßige, sondern auch die
Erkenntniskräfte, die Fähigkeit des Denkens, der Intui-
tion, der Inspiration, das Ichbewußtsein, die Willenskraft.
Das sind ja alles Dinge, die sehr stark geschädigt sind in
unserer Zeit. Die müssen gerettet werden. Dann ist alles
andere sowieso gerettet." JOSEPH BEUYS

Wenn die Kunst von der Lebenspraxis abgehoben ist, können
in sie all jene Bedürfnisse Eingang finden, deren Befriedigung im
alltäglichen Dasein aufgrund des alle Lebensbereiche durchdrin-
genden Konkurrenzprinzips unmöglich ist. Werte wie Mensch-
lichkeit, Freude, Wahrheit, Solidarität werden gleichsam aus
dem wirklichen Leben abgedrängt und bewahrt in der Kunst
(...), indem sie das Bild einer besseren Ordnung im Schein der
Fiktion verwirklicht, entlastet sie die bestehende Gesellschaft
vom Druck der auf Veränderung gerichteten Kräfte.
PETER BÜRGER

Spiele das Spiel.
Gefährde die Arbeit noch mehr.
Sei nicht die Hauptperson.
Such die Gegenüberstellung.
Aber sei absichtslos.
Vermeide die Hintergedanken.
Verschweige nichts.
Sei weich und stark.
Sei schlau, laß dich ein und verachte den Sieg.
Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib
geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen.
Sei erschütterbar.
Zeig deine Augen,
wink die anderen in die Tiefe,
sorge für den Raum und betrachte einen jeden in seinem Bild.
Entscheide nur begeistert.
Scheitere ruhig.
Vor allem hab Zeit und nimm Umwege.
Laß dich ablenken.
Mach sozusagen Urlaub.
Überhör keinen Baum und kein Wasser.
Kehr ein, wo du Lust hast,
und gönn dir die Sonne.
Vergiß die Angehörigen,
bestärke die Unbekannten,
bück dich nach Nebensachen,
weich aus in die Menschenleere,
pfeif auf das Schicksalsdrama,
mißachte das Unglück,
zerlach den Konflikt.
Beweg dich in deinen Eigenfarben,
bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird.
Geh über die Dörfer.
Ich komme dir nach.
Peter Handke - "Über die Dörfer"

Was tut ein Künstler? Er erschafft etwas, er drückt sich aus,
er kopiert nicht, er imitiert nicht, er überträgt nicht (das ist bloßes Handwerk).
 Er agiert, macht, erfindet; er entdeckt nicht, genausowenig wie er kalkuliert,
 deduziert oder argumentiert. Schöpferisch tätig sein heißt im Prinzip,
 ganz auf sich allein gestellt zu sein.

Seit jeher behaupte ich, daß es die Kunst nicht gibt, sondern nur die Künstler, die übrigens keine Kunst machen, sondern etwas tun, daß ihnen Vergnügen bereitet, die gar nicht anders können, selbst wenn es für manche ein schmerzhafter Prozeß ist: glückliche Masochisten.
JEAN LOUP SIEFF

Jede Kunst und jede Kultur, die sich mit der Macht arrangiert, verwandelt sich in Diener einer Ideologie, einerlei ob dies im Namen des sozialistischen Realismus oder des bürgerlichen Pluralismus geschieht. Beide Haltungen beruhen auf Kriecherei vor der herrschenden Klasse. Ideologisierte Kultur und Kunst betreibt man nicht nur, wenn man einer Ideologie oder einem Machtsystem "expressis verbis" hofiert, die ein ausdrückliches Treuebekenntnis vom Künstler und Kulturschaffenden verlangen, wie es bei den gestürzten Regimen Osteuropas der
Fall war. Man betreibt sie auch, wenn der Künstler und der Dichter, aus welchen Gründen auch immer, die Widersprüche des Systems schweigend hinnehmen oder gar rechtfertigen. Die Kulturschaffenden werden auch dann zu Claqueueren, wenn sie nicht mit den Händen klatschen und sich in ihre goldene "splendid isolation" zurückziehen. Es genügt ein gleichgültiges oder zynisches Lächeln.

Kunst ist Subversion, Infragestellung der Realität, muß vom Ziel getragen werden, die Entfremdung, das Elend, den Schmerz und die Destruktion zu enthüllen. Eine Kunst, die im Augenblick des schöpferischen Aktes diese Erscheinungen beiseite schiebt, ist keine Kunst, sondern Ästhetisierung der waltenden Häßlichkeit. Wahre Kunst bedeutet den Versuch, das Menschliche immer wieder in Erinnerung zu bringen, sie ist schon deshalb Widerstand gegen das Unmenschliche und zugleich Offenbarung neuer Daseinsalternativen und utopischer Sehnsüchte. Nur wenn sie sich dieses Telos zu eigen macht, erfüllt sie eine befreiende Funktion,stellt sie sich gegen die von der instrumentellen Vernunft herbeigeführte Brutalisierung des Lebens.

Kunst ist Transzendenz in ästhetischer Gestalt, und sie ist Transzendenz, weil sie die Darstellung und das Sichtbarmachen des Schönen, Wahren und Gerechten im umfassenden Sinn zur Aufgabe hat.

Das heißt aber keineswegs, daß sie erbaulich und positiv sein muß. Das Gegenteil ist der Fall. Sie muß auch den Mut zur Negation haben und sich nicht scheuen, das Schreckliche mit aller Kraft zum Ausdruck zu bringen. Ja, in einer entfremdeten Welt wie der unseren kann echte Kunst nur Verneinung der entfremdeten Wirklichkeit sein; sie ist gezwungen, sich mit dem Häßlichen immer wieder auseinanderzusetzen. Letztendlich geht es um die Entmythologisierung jeder Form von falschem Bewußtsein und institutionalisiertem Schein.

Gewiß, Literatur und Kunst sind nicht militant in herkömmlichem, ideologischem Sinn, aber das heißt nicht, daß sie desengagiert sein müssen. Jede große, wahre Kunst und Literatur geht von einer konkreten Weltanschauung aus, und genauso wenig wie es so etwas wie eine wertfreie Wissenschaft gibt, genauso wenig gibt es eine wertfreie Kultur.

(Heleno Sana)

Fast eine Liebeserklärung

Sie ist umworben. Mit ihr will man sich sehen lassen. Sie öffnet Türen, die ohne sie nicht einmal erkennbar waren. Ihre Gegenwart verleiht Charisma, sie ist so begehrt, dass sie auch immer wieder gestohlen, gefälscht oder vorgetäuscht wird. Das ist allerdings so nutzlos wie der Versuch, die festzunageln. Sie ist unberechenbar und launenhaft – man kann sich lange um die bemühen, ohne erhört zu werden, und dann wieder beschenkt sie einen, der sie nicht einmal eingeladen hat.

Einige Begnadete genießen ihre Gunst seit sie geboren wurden, anderen bleibt sie ein Fremdwort. Sie wird idealisiert und verherrlicht, vor allem; von jenen, die sie noch nicht persönlich kennen. Wo von ihr gesprochen wird, ist sie oft am weitesten entfernt. Manche aber, die von ihr heimgesucht worden sind, berichten, dass sie durchaus ein Teufel sein kann, der das Leben zur Hölle macht und einen nie in Frieden lässt. Sie hat mehr als zwei Gesichter, und einige davon sind sehr beunruhigend. Über eines sind sich jedoch die meisten einig:

Wir brauchen sie, nicht nur für die schönen Seiten des Lebens; sie ist unentbehrlich, egal, wie wir sie nennen. Wir brauchen sie, ganz besonders in Krisenzeiten – in eigentlich unlösbaren Situationen. Ist sie die einzige Hoffnung. Aber wehe, wenn wir uns einfach auf sie verlassen und sie für selbstverständlich nehmen. Dann kann sie uns eiskalt übersehen, so als existierten wir gar nicht für sie. Wer auf sie baut muss schwindelfrei sein und darf Abgründe nicht fürchten. Oft spielt sie herum oder hält sich versteckt, und wenn wir es am wenigsten erwarten platzt sie herein – allerdings nur dort, wo die Tür offen ist. Das Verrückte ist, dass wir nicht einmal genau wissen, welche ihre Türen sind.

Andererseits kann sie richtig aufdringlich werden, lässt einen nicht mehr in Ruhe mit ihren Launen, Ideen, Einfällen und Erkenntnissen. Ja, es gibt Menschen, denen läuft sie geradezu hinterher, sogar bis in den Schlaf. Manchen erscheint sie in den Träumen. Eifersüchtig ist sie nicht. Sie hat so viele Liebhaber, wie es Menschen, Blumen und Sterne gibt. Sie ist frei und erfinderisch, und es gelingt ihr immer wieder sich selbst zu übertreffen.

Auch ich habe ein inniges Verhältnis mit ihr. Genauer gesagt: Manchmal besucht die mich, dann schlagen wir uns die Nacht um die Ohren, ohne eine Sekunde Schlaf. Manchmal wünsche ich mir, dass ich nie etwas mit ihr zu tun bekommen hätte; aber jetzt ist es zu spät. Ich habe mich mit Haut und Haaren auf sie eingelassen und bin völlig davon abhängig, dass sie kommt. Das Verhältnis ist sehr einseitig: Wenn ich sie suche, kann ich sie nicht finden sondern ich kann mich nur selbst auffindbar machen für sie. Diesen Teil unserer Beziehung schätzt mein EGO überhaupt nicht vielleicht lässt sich mancher deshalb auch nicht auf sie ein. Sie kann einen verschlingen. Sie fordert alles: die Hingabe von Geist, Körper und Seele. Sie fordert Vertrauen und Demut.

Das kann kräftig knirschen in der Maschinerie des Alltags, mit der wir das Unberechenbare im Leben kontrollieren und gestalten wollen. Paradoxerweise hilft sie aber auch dabei gelegentlich Meistens aber fordert sie das wir springen, ohne zu wissen, ob und wo wir landen können. Von Buchhaltung hält sie nicht viel, über Forderungen höre ich sie nur leise kichern, und mit den Theorien, die sie fassen sollen, spielt sie wie mit Bauklötzen. Manchmal lässt sie sich sogar auf schmutzige Affären ein, Moral ist ihr fremd. Deshalb kann man sich ihre Gunst auch nicht verdienen. Wohlverhalten, guten Willen und die besten Absichten kann sie herzlos ignorieren. Dafür hat sie einen ausgeprägten, manchmal auch skurrilen Sinn für Humor. Ich möchte ihnen noch mehr über das Geheimnis erzählen, wie ich mich auffindbar machen kann, für sie, nachdem ich ihr nun schon verfallen bin.

Im Grunde ist es so einfach: Wenn sie in der Nähe ist, muss ich bereit für sie sein und darf nicht gerade mit meinen Krisen, fixen Ideen und Gewohnheiten so beschäftigt sein, dass ich sie übersehe. Hindernisse für ein Rendezvous kommen immer von mir, nie, von ihr. Sie braucht mich nicht, aber ich sie. Ob ich leide oder nicht ist ihr völlig egal, dadurch lässt sie sich nicht erweichen. Das ist meine Sache, mit der ich dann so schnell wie möglich fertig werden muss, um wieder für sie frei zu sein. Für den tragischen Ernst unseres Lebens hat sie nicht viel übrig, davon hält sie sich fern. Was sie lockt, ist der offene Geist, das Spielerische.

So also kann ich mich für sie auffindbar machen. Alles, was mir hilft, die Grenzen meiner Vorstellung zu übersteigen, mich neugierig macht und mir das Staunen wieder beibringt, bereitet den roten Teppich für sie aus. Und wenn sie dann endlich kommt, beginnt der schwierigste Teil. Sie sieht mich ganz und will mich ganz. Also kann ich meine Macken, Besessenheiten, Vorurteile und meine engen Grenzen nicht vor ihr verstecken. Den Kopf darf ich verlieren, aber nicht den Verstand. – sonst verstehe ich sie nicht. Denn sie will nicht nur in Gefühlen versinken, sondern fordert ein Gegenüber das standhält. Mir macht das Angst und dies ist das sichere Gefühl, das sie sich in der Nähe herumtreibt. Wenn ich diese Angst überwinde, den Sprung wage, dann schenkt sie mir in unserer kurzen Vereinigung ein solch unerhörtes Glück, eine unbegrenzte Verbundenheit, das Gefühl, eins zu sein mit allem Lebendigen, dass die ganze Angst zu Asche wird. Allmählich kenne ich das nun, aber es ist immer wieder ein neues Wunder, das gefeiert werden will. Das einzige, was ich nicht an ihr mag, ist ihr schwerfälliger Name: Kreativität.

( Autor unbekannt )

LICHTBALL
Einst zu Zeiten, in denen Geister noch kamen, gerade weil man sie rief, da war es selbstverständlich, dass ein jeder wusste, was es mit Licht Erscheinungen auf sich hat. In dieser Epoche der Menschheit, als Technische Errungenschaften weit hinter dem Wunsch standen, in Einklang mit dem Wunder der Natur zu leben, da begab es sich, dass ein Meister seinen Schüler kindischer Wünsche wegen rügte: Lichtbälle gehören in eine andere Zeit. Weiter merkte er sichtlich verärgert über solch Belanglosigkeiten sprechen zu müssen an: Solcherlei Ding, sei nichts als müder Zeitvertreib und nur für jene gemacht, die aus sich selbst heraus zu leuchten nicht vermögen. In Wahrheit nämlich werde solch magischer Spielkram für eine Zeit des Unwissens gemacht und zu dieser werde solcher Mumpitz auch wieder mehr Macht bekommen als heute, in der das gesamte Leben als auch die Grenzen des Universums noch unbeschadet seien. Als der Schüler vorsichtig anmerkte (nach wie vor bestrebt eine Licht Erscheinung sehen zu wollen), er sei felsenfest davon überzeugt, bereits ein Wissender zu sein und somit auch berechtigt - von ihm aus auch spielerisch – einen echten Lichtball zu sehen, da lachte der Meister seinen Schüler liebevoll an, zog ein kleines regenbogenfarbenes leuchtendes Bällchen aus der Tasche, ließ es ebenso schnell wieder verschwinden und fragte seinen Schüler verschmitzt, wo denn bitte sein Lichtball sei, wenn er schon denke, seine eigene Leuchte zu sein. Anschließend schickte er ihn schlafen.
Gerade stelle ich mir vor, wir Menschen seien alle verspielte Lichtbälle. Wir würden nicht geworfen, gerollt oder ins Bett geschickt! Nein, wir könnten immer von alleine leuchten. Könnten über alles Dunkel der Welt hin weg fegen, als wären wir schon immer nichts als Licht gewesen. Wir alleine reichen aus, um ein erstes Funkeln ins Dünkel zu zaubern.
ES WERDE LICHT !
(msberlinanodazumal)

Sag nie, dass etwas unmöglich ist. Sondern in dem Augenblick, wo du das Unwahr-
scheinliche denkst, hast du den Keim in die Welt gesetzt, der den Hintergrund
verändert.
Wenn du sagst, es kann nur das passieren, was du in der Vergangenheit erfahren
hast, bist du selber derjenige, der eben die Vergangenheit in die Zukunft herein-
schleppt. Das ist die Schwierigkeit, die wir heute haben:
Unsere Realisten sind eigentlich diejenigen, die genau das eben negieren, was das
Leben ausmacht, nämlich dass die Zukunft anders ist als die Vergangenheit.
Hans-Peter Dürr

  Es genügt nicht das Bestehende darzustellen,
notwendig ist an das Erwünschte und an das
Mögliche zu denken. (Maxim Gorki)

-Verschwinden der Zeit-
Das Verschwinden der Zeit ist das Verschwin-
den der Kindheit, der Geborgenheit, der Un-
schuld.

Das Verschwinden der Zeit ist die Uhr, die
rückwärts läuft und von der MAN genauso
weiß, dass sie es tut, wie MAN ebenfalls gelernt
hat dies zu ignorieren.

Das Verschwinden der Zeit ist die Klimakatas-
strophe, das Sterben der Arten, das Steigen der
Pegel.

Das Verschwinden der Zeit ist die tickende
Bombe, ist das nächste Atomkraftwerk, das in
die Luft fliegen wird, der nächste Öltanker, der
havariert, der nächste Chemieunfall, der kom-
men wird.

Das Verschwinden der Zeit ist die Katastrophe,
die da ist und während sie da ist, gleichzeitig
immer näher kommt - und während sie näher
kommt, immer noch ein Stückchen näherkom-
men kann.

Das Verschwinden der Zeit ist das monotone
Schaufeln des eigenen Grabens, der Haltung ES
so zu belassen, weil ES angeblich nicht anders
ginge.

Das Verschwinden der Zeit ist das Monster un-
ter dem Bett, ist der Horror im Kopf, die Dun-
kelheit der Nacht.

Das Verschwinden der Zeit sind die Tränen,
die trocknen, das Schreien, das verstummt,
der Schmerz, der nicht weniger wird, aber sich
irgendwann aushalten lässt.

Das Verschwinden der Zeit ist der Wind, der
zunimmt, der Nebel, der sich übers Land legt,
der Schnee, der auf den Boden fällt.
...die Kinder des Krieges
Metaphern aus dem laufenden Krieg

Die Emigranten heute
Von jeher fliehen die Schmetterlinge und Schwalben und
Flamingos vor der Kälte, Jahr für Jahr, und schwimmen die
Wale auf der Suche nach anderen Meeren und die Lachse und
Forellen auf der Suche nach ihren Flüssen.
Sie reisen Tausende von Meilen auf den freien Wegen der
Luft und des Wassers.
Nicht so frei sind dagegen die Wege des menschlichen
Exodus.
In endlosen Karawanen ziehen die Flüchtlinge auf der
Flucht vor dem unmöglichen Leben.
Sie ziehen vom Süden nach dem Norden und von der aufgehenden
zur untergehenden Sonne.
Ihren Platz auf Erden hat man ihnen geraubt. Arbeit und
Land hat man ihnen weggenommen. Viele fliehen vor den
Kriegen,
doch noch viel mehr fliehen vor den Hungerlöhnen und den
ausgelaugten Böden.
Die Schiffbrüchigen der Globalisierung pilgern und erfin-
den Wege, wollen ein Dach über den Kopf, klopfen an Türen:
Die Türen, die sich wunderbarerweise für das Geld öffnen,
werden ihnen vor der Nase zugeschlagen.
Manche schaffen es, hinein zu schlüpfen. Andere sind die
Leichen, die das Meer an verbotene Küsten wirft, oder
namenlose Körper, die unter der Erde dieser anderen Welt
ruhen, in die sie zu gelangen suchten.
SEBASTIO SALGADO hat sie fotografiert,
in vierzig Ländern,
mehrere Jahre lang,
Von seiner langen Arbeit sind dreihundert Bilder übrig.
Und die dreihundert Bilder dieses unermesslichen mensch-
lichen Unglücks passen zusammen in eine Sekunde.
Nur eine Sekunde währt zusammen alles Licht, das in die
Kamera gedrungen ist, all diese Bilder über:
Grad eben ein Zwinkern in den Augen der Sonne,
nicht mehr als ein flüchtiger Augenblick
in der Erinnerung der Zeit.
EDUARDO GALEANO - ZEIT DIE SPRICHT
Seite 236-237.

Einmal
da hörte ich ihn,
da wusch er die Welt,
ungesehn, nachtlang,
wirklich.

Eins und Unendlich,
vernichtet,
ichten.
Licht war. Rettung.

Paul Celan

Die Konsequenz erkennen.

Die Notwendigkeit, eine Kultur zu entwicklen, die von uns
selbst bestimmt wird, die auf Solidarität, Gleichberechtigung
und Autonomie basiert und nicht von Profitinteressen und
einer passiven Konsumhaltung geprägt ist. Eine Kultur, die
sich bewußt gegen die herrschende stellt und deren Mensch
und Natur ausbeutenden und zerstörenden Charakter aufzeigt
und überwindet.
Die Notwendigkeit, neue gemeinschaftliche Formen des
Zusammenlebens zu finden, die Entfremdung zwischen uns
zu überwinden, das patriarchale Denken, den Leistungszwang,
die verinnerlichten autoritären Strukturen, die zwischen-
menschliche Kälte.
Die Notwendigkeit, andere Wege zu gehen, den inneren
Willen zu erkennen, zu Fantasie und Kreativität zurückzu-
finden, Freiräume zu schaffen, sich zu wehren,
Widerstand zu leisten, zu kämpfen, zu träumen, zu geben,
zu lieben, zu leben.
Ein Anspruch an jede und jeden von uns. Hier und jetzt.
Die Notwendigkeit erkennen. Die Konsequenz.
Wolfgang Sterneck

"Ich bin kein Revolutionär, Sozialist oder irgedetwas dieser Art. Ich habe damit überhaupt nichts zu tun. Eine kompromisslose Individualität ist meine Politik. Alle politischen Gruppen, die ich auf diesem Planeten kenne, scheinen darauf abzuzielen, Individualität zu unterdrücken. Sie brauchen Wählerstimmen. Sie brauchen Einheiten. Macht nichts ob rechts oder links, die Taktiken sind oft diesselben. Worum es diesen Leuten geht, ist die Uniformität der Masse...Ich hasse all diese Gruppierungen, jede Sorte von Versammlungen dieser Art. Sie zerstören Persönlichkeit und Individualität. Vielleicht ist ein Raum, der voll von Leuten mit unterschiedlichen Meinungen ist, chaotisch, aber er ist wunderbar chaotisch, ungemein unterhaltsam und ausgesprochen lehrreich. Das ist die Weise, auf die wir Sachen lernen - nicht indem wir alle derselben Doktrin folgen. Wahrscheinlich kann die Welt, die ich mir wünsche, nicht wirklich existieren, weil es zu viele Schafe da draußen gibt, die geführt werden wollen. Lass die Schafe blöken, für mich ist das nichts. Ich bin lieber das einsame Schaf, das gegen die Wölfe kämpft. Das ist viel besser. Wenn du in einem Arbeiterklassemilieu aufwächst, dann wird von dir erwartet, dass du da auch drinnen bleibst und den Regeln dieses kleinen Systems folgst. Das kann mir alles gestohlen bleiben. Es ist alles falsch, gleichermaßen beschissen. (JOHN LYDON)

Die Kunst hat keine Identität, die stärker wäre als die Umgebung, in der sie stattfindet. Sie ist ein kleiner Teil, der im Garten der Gegenwart die Zeit umbricht, ein dienlicher und mitarbeitender Teil, der es ermöglicht, etwas zu kompostieren in der Identität des Gegenwärtigen, um es bereit zu machen für eine Zukunft. Die Kunst ist eigentlich nur ein Agent, ein Pulver, das im viel wichtigeren Vorgang des Waschens zur Wirkung kommt. Nicht über seine Identität oder Sichtbarkeit, sondern eben über seine Funktion, sein bloßes Wirken. Michel Foucault

"Ich glaube, es ist die Rolle des Künstlers,
sich an den sozialen Kämpfen seiner/ ihrer Zeit zu beteiligen,
alle Fragen rund um die Menschheit
und was ihn/sie sonst noch umgibt
auf ehrliche und mutige Art zu porträtieren
so, dass Fehler sic
h nicht wiederholen,
und vor allem, dass die Leinwände durch die Zeit hinweg
jene Lehren und Wahrheiten festhalten,
die niemals vergessen werden (sollten).
Das ist es, woran ich glaube."

***
"I believe it is the role of the artist to be engaged
in the social struggles of his/her time
and to portray in a true and courageous way
all issues concerning mankind and all that surrounds him/her,
so that mistakes are not repeated, and above all
for the canvas to hold the lessons and truths,
that will (should) never be forgotten.
This is what I believe. “

***
"Acredito ser papel do artista, estar engajado
nas lutas sociais do seu tempo e retratar de
forma verdadeira e corajosa todas as questões
do homem e de tudo aquilo que o cerca, para
que erros não sejam repetidos e principalmente
para que as telas guardem em seu conteúdo ao
longo do tempo, lições e verdades que jamais
serão esquecidas, é nisto que acredito."

Joao Evangelista Souza , Curitiba, Brazil
Plastic Artist | Maler | Artista Plástico
 

Kunst und Utopie.
Die Chance, Freiheit und Utopie wahrzunehmen, ist fast die Pflicht
der Kunst heute, um der Verengung der Phantasie und die Umstrukturierung
der Gefühle mit Brüchen zu konfrontieren, die Ausdruck einer Welt sind,
die auch sein könnte.
In diesem Sinne ist Kunst stets Verwandlung des vorgefundenen Materials.
Desto entwicklelter die Ebene der Überhöhung/Übertreibung(Verfremdung)
desto geringer ist ihr konservatives Element.
Die Überhöhung ist ein Mittel, um die Wirklichkeit bis an die Grenze
von Täuschung und Trugbild künstlerisch neu zu produzieren, -
deren scheinbare Objektivität und die statischen Gesetzmäßigkeiten,
die sich nur als Wirklichkeit ausgeben, zu entlarven.
Wirksam arbeitet sie mit vermeintlicher Sinnestäuschung.
Die Übertreibung macht nicht Halt vor den Grenzen der Unberechenbarkeit
- der Ratlosigkeit - der Irritation.
Im Gegenteil, sie entwickelt Haltungen in vielfältiger Weise für anders,
um dem Knast der Eindimensionalität ein Schnippchen zu schlagen.
Die Übehöhung als Methode vertraut oder verstößt in einer Zeit maßloser
Überreizung der Sinne den künstlerischen Schein, sie entwickelt ein
Verhältnis zu Elementen individueller oder kollektiver Rebellion in
der Kunst.
Sie verarbeitet Erfahrungen oder verwirft sie.
Das Experiment findet nicht im luftleeren Raum (Elfenbeinturm) statt,
sondern korrespondiert ständig mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit,
um sie im gleichen Moment wieder verlassen zu können.
Die Verbindung von Kunst und Utopie beruht wesentlich auf dem weiten
Spielraum der eigenständig entstandenen Assoziationen im Verhältnis
Künstler/Publikum zu der ungeheuren Mnege an künstlerischen Möglichkeiten,
die die Welt der Wirklichkeit um Vieles  übertrifft.
Überhöhung  bezeichnet Vorgänge detalliert; setzt der Willkür und
Beliebigkeit eine Haltung und damit den Weg der produktiven Aneignung
des Materials entgegen.
Der Zuwachs des Materials durch Vision bestimmt die Qualität des
künstlerischen Produkts. Das Maß ist die die Bildung neuer Wirklichkeiten,
die dem Abbild - der Nachahmung - entgegensteht
In der Überhöhung wächst die Wirklichkeit.
Die Harmonisierung der Welt durch bloße Nachahmung vergrößert die
Geschwindigkeit des Vernichtungsprozesses von Bewegung und Experiment.
Den tödlichen Generalisierungen fällt die Überhöhung als Methode
zum Opfer, sie erzwingen die Trennung von Kunst ihrer fiktiven Elemente,
werden beschreibende Ästehtik, entgestalten die Kunst und liquidieren
ihren verwandelnden Charakter.

Die Reduktion auf Nachahmung und Illustration des vorgefundenen Materials
als Gegensatz zur Verwandlung ist konservativ. Sie unterscheidet sich
wesentlich von der Überhöhung durch die Vereitelung sozialkritischer
Intentionen. Ihre Mittel sind bedingungsloses Einverständnis und nicht
Konfrontation, Brüche oder Distanz.
Die Nachahmung strebt der Ganzheit entgegen, harmonisiert Wirklichkeit
und mystifiziert das Verhältnis von Kunst und Realität.
Eine Begegnung von Kunst und Politik findet jedoch statt, wenn ein
Mit- und Gegeneinander in einer ständigen Überprüfung des Verhältnisses
möglich ist. Das Verhältnis beider zueinander ist bestimmt durch die
Gleichzeitigkeit der Vorgänge, die der Eigenbewegung der Kunst in
Zusammenhang mit den zu verändernden Verhältnissen bringt.
Dinge der Innen- und Aussenwelt werden beobachtet, montiert, verwandelt,
in die Zukunft projiziert und in die Gegenwart zurückgeworfen.
Der ambivalente Charakter von Kunst und Politik wird, wenn er zu einem
eindeutigen Verhältnis gezwungen sein sollte, den Graben zwischen
Aufbruch und aufrührerischem Drang nach kultureller Zerstörung gegen
die Identifikation zu Gunsten des Letzteren verschieben.
Die ausgegrenzte Seite wird dem Irrtum einer neuen Ordnung und
der Macht der Zwänge über die Utopie mit der Möglichkeit einer freien
selbstbestimmten Wirklichkeit begegnen. Nun wird die Kunst nicht mehr
zur Harmonisierung der Wirklichkeit beitragen, sondern sie kann die
Menschen als ständiger innerer und äußerer Unruheherd auf dem steinigen
Weg in die Freiheit begleiten.
Herby Sachs (in SCHWARZER FADEN Nr.27 - 1/88 Seite 51.)

  1. Anarchismus und Popkultur/Kunst

  2. DIE KUNST DER ZUKUNFT WIRD DER UMSTURZ VON SITUATIONEN SEIN
    ODER
    SIE WIRD NICHTS SEIN

  3. Zum Verhältnis von Anarchie und Kunst heute in 20 Thesen

  4. Nach Gott ist nun auch die Kunst gestorben. Auf daß ihre Pfaffen die Klappe nicht wieder aufmachen.
    GEGEN jedes Überleben der Kunst,
    GEGEN die Herrschaft der Trennung,
    DIREKTER DIALOG
    DIREKTE AKTION
    SELBSTVERWALTUNG DES ALLTÄGLICHEN LEBENS
    Komitee Wütende-Situationistische Internationale
  5. 1. Gegenwärtig gibt es in der BRD eine nur unzureichend entwickelte anarchistische Kunst - im Gegensatz zu Frankreich, Italien und den USA, wo die anarchistische Kultur weitaus vielfältiger ist.
  6. "Zugleich hoffe ich auf die Bereitstellung eines universalen Sozialhaushaltes, so daß jeder Mensch über die Mittel verfügt, die er benötigt, um so zu leben, wie er möchte. In diesem Verlangen nach Utopia bin ich Anarchist. Die einzige Herrschaft, der ich traue, ist meine eigene Selbstbeherrschung."
    John Cage
  7. "Anarchie ist der einzige ... Hoffnungsschimmer."
    Mick Jagger
  8. 4. Das Verhältnis der revolutionären Bewegungen zur Kunst war nie ein besonders glückliches. Belastet durch Vorschriften und Vorurteile wurde es gelegentlich sogar vollständig aufgekündigt. In ihren wechselnden Einschätzungen formulierten die politisch Aktiven nur die Nuancen einer grundsätzlich gleichbleibenden Abwehr. Demnach entziehen sich KünstlerInnen der organisatorischen und moralischen Verantwortung, sie nutzen den ihnen zugestandenen Freiraum nur zugunsten individualistischer Karrieren; sie verraten oder diskreditieren ihr soziales Feld und den Stoff, mit dem sie arbeiten. Ein ähnlich gelagertes Problem bestand und besteht zwischen Theorie und Kunst. Auch hier ist ein hierarchisches Verhältnis zur Gewohnheit geworden. Die Produkte der künstlerischen Arbeit an der Erkenntnis und Gestaltung des Lebens werden darauf reduziert, als Reservoir von Phänomenen zu dienen, in dem man Beispiele zur Anregung sucht; ansonsten hat es keine Bedeutung. Auch wenn die Theoretiker für Kuriositäten und Eskapaden ein gemessenes Verständnis aufbringen, wollen sie die Kunst doch von ihrer Verwicklung in die Sinnlichkeit reinigen, bevor sie einen Rest ihres Wirkens in die höheren Regionen des Denkens und Sehens aufsteigen lassen. In der Politik und in der Theorie besteht also ein gleichermaßen großes Defizit an Wissen über die Praxis der KünstlerInnen, ein geringes Interesse für ihre Strategien und Möglichkeiten. Aber auf der Seite der Kunst hat sich diese Entfremdung nicht weniger unproduktiv ausgewirkt. Die KünstlerInnen meiden den politischen und theoretischen Bereich nicht immer wegen der dort herrschenden Inkompetenz oder weil sie mit ihren eigenen Anliegen schlechte Erfahrungen machen mußten und ihnen nur schlechte Vorbilder als Wegweiser angeboten wurden. Sie meiden ihn auch, weil sie sich bestimmten Realitäten verschließen, sei es aus Furcht vor der eigenen Inkompetenz oder weil sie die Definition ihrer Rolle in der Gesellschaft hinnehmen.
  9. "Nur die Phantasielosen
    flüchten in die Realität;
    und zerschellen dann, wie
    billich, dran."
    Arno Schmidt
  10. "Um heute Künstler zu sein, muß man auch Philosoph sein, nicht in dem Sinne, daß man Platon oder Aristoteles gelesen haben muß, sondern insofern, als man sich die Frage nach dem Einsatz zu stellen hat: Was macht man da eigentlich?
    Lyotard
  11. "Aufgabe von Kunst ist es heute, Chaos in die Ordnung zu treiben."
    Theodor W. Adorno
  12. 8. Die 68er-Revolte war - auch was deren anarchistischen 'Flügel' anbelangt - eindeutig marxismuslastig. Kunst war und ist im Marxismus stets Teil des sog. 'Überbaus' und damit zweitrangig bzw. unwichtig. Dieses distanzierte Verhältnis zur Kunst läßt sich in der bundesrepublikanischen Anarcho-Bewegung (z.B. FAU) bis heute nachweisen.
  13. "Dadaismus ist eine Strategie, wie der Künstler dem Bürger etwas von seiner inneren Unruhe, die ihn nie in Gewohnheit einschlafen läßt, mitteilen, wie er den Erstarrten durch äußere Beunruhigung zu neuem Leben aufrütteln will, um ihm den Mangel an innerer Not und Bewegung zu ersetzen."
    Udo Rukser, Dada Almanach (1920)
  14. "Ich sehe meine Lebensaufgabe im wesentlichen darin, eine Art Reizmittel zu sein - nicht etwas wirklich Destruktives, sondern einer der beunruhigt, der desorientiert. Einer, der den Alltagstrott gerade insoweit unterbricht, daß das Opfer auf den Gedanken kommt, es könnte vielleicht mehr geben, als die bloße Langeweile des Daseins."
    Elvis Costello
  15. "Wir wollen nichts anderes, als die Leute auf Touren bringen, auf eine Fahrt mitnehmen... rücksichtlos."
    Keith Richard
  16. 12. In der anarchistischen Bewegung (das gilt aber sicherlich fast für den gesamten Linksradikalismus) ist Kunst nach wie vor etwas separiertes, der sog. 'politischen' Sphäre untergeordnet. Kultur und Theorie sind voneinander getrennt. Kultur ist Beigeschmack. Hegemonial ist der Bereich der Politik. Die ästhetische Komponente fällt weitgehend aus dieser Rezeption heraus. Die Kulturseiten der meisten anarchistischen Zeitschriften laufen unter 'ferner liefen'. Die politischen AnarchistInnen und die anarchistischen KünstlerInnen bewegen sich fast ausschließlich in ihren jeweiligen Szenen und halten sich voneinander fern.
  17. "Ich halte meine Sehnsüchte für Realität, weil ich an die Realität meiner Sehnsüchte glaube."
    Mai-68-Slogan
  18. REVOLUTION HÖRT IN DEM AUGENBLICK AUF ZU EXISTIEREN WO ES NOTWENDIG WIRD SICH FÜR SIE OPFERN ZU LASSEN ES IST VERBOTEN ZU VERBIETEN WEDER GÖTTER NOCH HERREN NIEDER MIT DEM ABSTRAKTEN LANG LEBE DAS FLÜCHTIGE DURCH DIE KUNST STARB GOTT NIEDER MIT EINER WELT WO DIE GARANTIE DASS WIR NICHT HUNGERS STERBEN MIT DER GARANTIE ERKAUFT WURDE DASS WIR AN LANGEWEILE STERBEN CLUB MED EIN BILLIGER URLAUB IM ELEND ANDERER LEUTE WECHSELT NICHT DIE ARBEITGEBER WECHSELT DIE TÄTIGKEIT DES LEBENS ARBEITET NIE DER ZUFALL MUSS SYSTEMATISCH ERFORSCHT WERDEN LAUF GENOSSIN DIE ALTE WELT IST DIR AUF DEN FERSEN JE MEHR MAN KONSUMIERT DESTO WENIGER LEBT MAN LEBE OHNE TOTE ZEIT GENIESSE UNGEHINDERTE LEIDENSCHAFT WER ÜBER REVOLUTION UND ANARCHIE REDET OHNE SICH AUSDRÜCKLICH AUF DAS TÄGLICHE LEBEN ZU BEZIEHEN OHNE ZU BEGREIFEN WAS AN DER LIEBE SUBVERSIV UND WAS AN DER ABLEHNUNG VON ZWÄNGEN POSITIV IST HAT LEICHEN IM MUND UNTER DEM PFLASTER LIEGT DER STRAND
    Situationistisches
  19. 15. Dem 'Punk' Ende der siebziger Jahre ist es gelungen, die Trennung von 'Kunst' und 'Politik' für einen Moment aufzuheben. 'Punk' ist antipolitisch und gegen jegliche Professionalisierung. Punk als direkte Lebensäußerungen von Menschen ist Teil einer anarchistischen Kunst, die in ihrer 'Verrücktheit' die Phantasie belebt.
  20. "Revolution ist die Bewegung zwischen zwei Zuständlichkeiten. Hierbei stelle man sich nicht das Bild einer sich langsam drehenden Rolle vor, sondern eines ausbrechenden Vulkans...
    Alle Revolution ist aktiv, singulär, plötzlich und ihre Ursachen entwurzelnd.
    Revolution entsteht, wenn ein Zustand unhaltbar geworden ist: mag dieser Zustand in den politischen oder sozialen Verhältnissen eines Landes, in einer geistigen oder religiösen Kultur oder in den Eigenschaften eines Individuums stabilisiert sein.
    Die treibenden Kräfte der Revolution sind Überdruß und Sehnsucht, ihr Ausdruck ist Zerstörung und Aufrichtung.
    Zerstörung und Aufrichtung sind in der Revolution identisch. Alle zerstörende Lust ist eine schöpferische Lust (Bakunin).
    Einige Formen der Revolution: Tyrannenmord, Absetzung einer Herrschergewalt, Etablierung einer Religion, Zerbrechen alter Tafeln (in Konvention und Kunst), Schaffen eines Kunstwerks; der Geschlechtsakt.
    Einige Synonyma für Revolution: Gott, Leben, Brunst, Rausch, Chaos.
    Laßt uns chaotisch sein!"
    Erich Mühsam
  21. 17. Ziel einer anarchistischen Kultur sollte es sein, die Risse innerhalb der bestehenden hierarchischen, patriarchalen Industriegesellschaft zu vertiefen, auf keinen Fall zu ihrer Harmonisierung beizutragen, sondern sozialer und kultureller Unruheherd sein und Gedanken praktischer Verweigerung beinhalten.
  22. "Wacht auf, denn eure Träume sind schlecht!
    Bleibt wach, weil das Entsetzliche näher kommt.
    ...
    Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
    Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
    Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
    Tut das Unnütze, singt Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
    Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!"
    Günther Eich
  23. KATZEN und PFAUEN
    baubo sbugi ninga gloffa
  24. siwi faffa
    sbugi faffa
    olofa fafamo
    faufo halja finj
  25. sirgi ninga banja sbugi
    halja hanja golja biddim
  26. ma ma
    piaupa
    mjama
  27. pawapa baungo sbugi
    ninga
    gloffalor
    Hugo Ball
  28. 20. Umherschweifen, Vagabondage, Rausch, individuelle Provokation, Provokation des marginalen Konsenses, Interaktion zwischen den revolutionären Bewegungen und der Kunst, soziale Individualität, Förderation, Kommune, Vernetzung. Frage: Wenn Kunst stets etwas separiertes ist, kann es Kunst dann noch in der Anarchie geben?
  29. "In Zukunft wird die Verwirklichung des reinen Gestaltungsausdrucks in der greifbaren Realität unserer Umwelt das Kunstwerk ersetzen. Aber um das zu erreichen, ist eine Orientierung zu universeller Vorstellung und Lösung vom Druck der Natur notwendig. Dann werden wir keine Bilder und Skulpturen mehr nötig haben, weil wir in der verwirklichten Kunst leben. Kunst wird verschwinden in dem Maße, als das Leben selbst an Gleichheit gewinnt. Zur Zeit ist Kunst noch von größter Wichtigkeit, weil sie gestalterisch auf direktem Wege, frei von individuellen Vorstellungen die Gesetze des Gleichgewichts demonstriert."
    Piet Mondrian
  30. FORUM 'COME TOGETHER' (ANTI-)POLITIK UND (ANTI-)KUNST

 

Zeit.
Der Anspruch der Kommune ist, so viel Zeit wie möglich
für alle zu befreien. Dieser Anspruch wird nicht allein,
nicht hauptsächlich in der Zahl von Stunden gerechnet, die
von jeder Lohnausbeutung unberührt sind.
Die befreite Zeit versetzt uns in Ferien.
Die vakante Zeit, die tote Zeit, die Zeit der Leere und der
Angst vor der Leere, das ist Arbeitszeit.
Von nun an gibt es keine Zeit mehr,
die zu füllen ist,
sondern eine Freisetzung von Energie,
die keine Zeit mehr begrenzt;
Linien, die sich abzeichnen, die schärfer werden,
denen wir nach Belieben folgen können,
bis zum Ende,
bis wir sehen,
wie sie andere kreuzen.
Unsichtbares Komitee

Lesestoff!
Die subversive Page. - Für subversive Menschen.
https://anarchypeaceangel.jimdo.com/

 

Wohin geht ihr? Woher kommt ihr? Was wollt ihr erreichen? - Das sind unnütze Fragen. - Von der Mitte ausgehend, durch die Mitte hindurch, eher gehen und kommen als aufbrechen und ankommen. Ein Strom ohne Anfang oder Ende, der seine beiden Ufer unterspült und in der Mitte immer schneller fließt. (Gilles Deleuze-Felix Guattari)